Ist das Synonym oder kann das weg?
Schreibtipps für Autoren

Ist das Synonym oder kann das weg?

Wo ist der Unterschied zwischen einem Sofa und einer Couch?

Warum macht man Milch in einer Pfanne warm?

Was ist eigentlich ein Schlagobers?

Nicht nur innerhalb Deutschlands gibt es regional gebräuchliche Begriffe, die sonst kaum einer kennt.

Bickbeeren kennen viele eher als Blaubeeren.

Kolter ist außerhalb von Hessen eine Decke.

Bemme, Stulle, Jause, Vesper, Fofftein, Imps …. alles Synonyme für eine „Zwischenmahlzeit“.


Im Lektorat begegnen mir immer wieder solche Begriffe, die ich auch erst einmal nachschlagen muss. Das macht meine Arbeit so schön abwechslungsreich und auch super witzig.

Während eines Schreibcamps sagte mir eine Freundin aus der Schweiz, dass sie jeden Morgen ihre Milch in einer Pfanne erwärmt. Mir erschien das ziemlich unlogisch, was ich ihr auch mitgeteilt hatte. Darauf sie völlig selbstverständlich: „Ja, worin denn sonst?“

Als sie dann abends auch eine Pfanne wollte, um Spaghetti zu kochen, musste ich dann doch nochmal näher nachfragen.

Da habe ich gelernt, dass ein Kochtopf in der Schweiz „Pfanne“ genannt wird.

Das ist also ein Synonym, das zu Verwirrung führt und als solches nicht im Roman gebraucht werden sollte.

Eine Liste von Austriazismen und Helvetismen findest du im Internet.

Zudem ist es meine Aufgabe, im Lektorat diese herauszufiltern und mit hochdeutschen Begriffen zu ersetzen.

Wiederum weiß jeder, was gemeint ist, ganz gleich ob sich die Protagonisten auf eine Couch oder ein Sofa setzen.

Neben den regionalen Begriffen und Sprachunterschieden in der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) tauchen auch immer wieder Fragen auf, wann man welches Synonym verwendet.

Aber was genau sind eigentlich Synonyme, Antonyme und Homonyme?

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antonyme?

Antonyme sind gegensätzliche Wörter.

Sie haben also eine gegensätzliche Bedeutung.

Beispiel: weich – hart, hell – dunkel, laut – leise, kalt – warm

Antonyme müssen immer zu derselben Wortart gehören.

stehen – liegen = Verben

schwer – leicht = Adjektive

Berg – Tal = Nomen

Was sind Homonyme?

Homonyme sind mehrdeutige Wörter.

Diese kennst du vielleicht eher als „Teekesselchen“.

Beispiel: Kiefer (Baum und Gesichtsknochen), Maus (Tier und Computermaus), Hahn (Tier und Wasserhahn), Birne (Obst und Glühbirne).

Homonyme müssen nicht zu derselben Wortart gehören.

grillen (Verb) – Grillen (Mehrzahl des Tiers Grille)

Es handelt sich also um ein Wort, das mehrere Bedeutungen haben kann.

Was sind Synonyme?

Synonyme sind sinngleiche Wörter.

Sie haben also die gleiche Bedeutung.

Beispiel: Die Katze hat ein weiches Fell.

Statt des Adjektivs „weich“ kannst du auch die Adjektive samtig, seidig oder flauschig benutzen.

Dasselbe ist nicht das Gleiche

Ein Sofa ist nicht das Gleiche wie eine Couch. Oder heißt es doch eher „dasselbe“?

Im täglichen Sprachgebrauch gehen diese Feinheiten gerne unter.

Auch im Duden werden beide Varianten inzwischen als Synonyme geführt, da es sich mittlerweile so eingebürgert hat.

das/der/die Gleiche“ benutzt du, wenn es sich um sehr ähnliche Objekte handelt, von denen es mehrere gibt.

Beispiel: Du hast die gleiche Spielkonsole wie ich.

dasselbe/derselbe/dieselbe“ benutzt du, wenn es sich um ein einziges Objekt handelt.

Beispiel: Mein Bruder und ich nutzen dieselbe Konsole.

Scheinbar und anscheinend wird ebenfalls gern missbräuchlich genutzt.

anscheinend“ benutzt du, wenn du eine Vermutung hast, dass etwas wirklich so ist, wie es scheint.

Beispiel: Anscheinend hattet ihr einen schönen Abend.

scheinbar“ benutzt du, wenn etwas einen Anschein macht, aber in Wirklichkeit gar nicht so ist.

Beispiel: Scheinbar ist die Stadt menschenleer.

Zurück zu unserem Couch-Sofa-Beispiel, bei dem ich bis zur Recherche für diesen Artikel dachte, dass es keinen Unterschied gibt. Weit gefehlt und wieder was dazu gelernt. 🙂

Eine Couch bezeichnet ein Möbelstück, das zum Sitzen oder Anlehnen gedacht ist. Früher ließen sich Damen in ihren engen Korsetts darauf nieder, um mal kurz durchzuatmen. 😉

Ein Sofa war ursprünglich eine Bank, die mit Kissen und Decken dekoriert ist.

Der Unterschied:

Eine Couch besitzt eine oder gar keine Armlehne, während es beim Sofa immer zwei sind. Außerdem bietet Ersteres Platz für ein bis maximal drei Personen, während auf einem Sofa vier oder mehr Leuten sitzen können. Zudem ist ein Sofa eher funktional und kann ein ausziehbares Bett integrieren.

Welches Synonym nutze ich denn nun?

Um das zu beantworten, stelle ich mir die folgenden Fragen:

  • Welches der Synonyme passt zur Art und Weise wie der gerade erzählende Charakter spricht oder denkt? Je nach Bildungsniveau und Herkunft weicht dies natürlich ab.
  • Welches der Synonyme passt zum Flair des Romans? Zum Beispiel passt für das Adjektiv „schön“ in einem Thriller eher „ansehnlich“, im Liebesroman „bezaubernd“ und in einem historischen Roman eher etwas dichterisches wie „elysisch“.
  • Welches der Synonyme versteht die Zielgruppe? Verwendest du bewusst Fachbegriffe oder Fremdwörter, wie es Frank Schätzing in meinem Artikel zur Analyse seines Bestsellers getan hat?

Wenn ich dann eine Auswahl getroffen habe, lese ich mir den Satz mit jedem der in Frage kommenden Synonyme laut vor.

  • Welches passt am besten zum Rhythmus des Satzes?

Letztlich ist es die Entscheidung wirklich Geschmackssache des Autors und fällt unter die Kategorie „Künstlerische Freiheit“.

Mein Fazit

Ganz ehrlich: Im Sprachgebrauch wird meine Couch immer eine Couch bleiben, auch wenn sie per Definition ein Sofa ist.

Im Lektorat würde ich das ebenfalls nicht als falsch anstreichen.

Es gibt Lektoren, die wirklich ganz kleinlich auf diese sprachlichen Feinheiten achten. Und wenn du ein Autor bist, der dies ebenfalls tut, bist du bei ihnen sehr gut aufgehoben.

Siehe ebenfalls meine Analyse zu Frank Schätzing und warum ich niemals sein Lektor sein könnte.

Mein Hauptaugenmerk liegt dagegen auf der Handlung. Da bin ich sehr pingelig, kleinlich, übergenau – such dir ein Synonym aus.

Wenn du auch so ein Plot-Nerd bist wie ich, dann lass uns gemeinsam Geschichte schreiben. 🙂

Nähere Infos zu meinem Angebot findest du auf der Seite zum Lektorat.

Hast du noch Fragen oder Anmerkungen kannst du mir diese gerne per Mail senden oder hier unter dem Beitrag kommentieren.

Zum Schluss möchte ich dir von Herzen dafür danken, dass du hier bist und dazulernen möchtest. 

Das ist nicht selbstverständlich und dafür kannst du dir wirklich auf die Schulter klopfen.

Alles Liebe,

Anke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.